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Vorsorge als Schlüssel unserer heutigen Gesellschaft

  • Writer: christoftremp
    christoftremp
  • Dec 26, 2025
  • 4 min read

Updated: Dec 29, 2025

Französische Revolution


Einleitung – der Ursprung


1789 gehen Menschen in Paris auf die Strasse.

Nicht wegen Renditen, nicht wegen Systemfragen. Sondern wegen etwas Grundlegendem: Sie wollen Freiheit, Gleichheit und Würde – und ein Leben, das nicht vom Zufall bestimmt ist.


Die Französische Revolution markiert einen Wendepunkt. Menschen sind nicht länger Untertanen, sondern Bürger mit Rechten. Doch sehr schnell wird klar: Diese Rechte bleiben abstrakt, solange existenzielle Risiken alles überlagern. Wer krank wird, verarmt. Wer alt wird, fällt zurück. Wer Risiken nicht tragen kann, ist nicht wirklich frei.


Genau hier beginnt die Geschichte von Sozialstaat und Vorsorge. Nicht als technisches System, sondern als Antwort auf menschliche Grundbedürfnisse: Sicherheit, Würde und die Möglichkeit, das eigene Leben zu planen – unabhängig von Herkunft oder Zufall.


Dass unsere heutige Gesellschaft mit moderner Medizin, hoher Lebenserwartung und sozialer Stabilität funktioniert, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis dieser Entwicklung.


Revolution, Industrialisierung und die Geburt der Vorsorge


Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein lebten Menschen in Europa ohne formelle Absicherung. Im Feudalismus trug die Familie das Risiko. Krankheit, Invalidität oder Alter führten häufig zu Armut. Es gab keine Ansprüche – nur Abhängigkeit, Almosen oder Glück.


Mit der Französischen Revolution (1789) änderte sich der gesellschaftliche Anspruch grundlegend. Freiheit und Gleichheit sollten nicht nur formell gelten, sondern im Alltag tragfähig sein. Frankreich war damit seiner Zeit rund 100 Jahre voraus. Der Gedanke, dass der Staat Verantwortung für existenzielle Lebensrisiken trägt, war geboren.


Im 19. Jahrhundert traf dieser Anspruch auf eine neue Realität: die Industrialisierung. Lohnarbeit, Urbanisierung und Fabrikarbeit machten Krankheit, Unfall oder Tod zu systemischen Risiken. Gleichzeitig wuchsen Armut, Unsicherheit und soziale Spannungen. Proteste, Streiks und politische Instabilität nahmen zu. Auch Unternehmer erkannten: Wachstum braucht soziale Stabilität.


In diesem Kontext entstand ein weiterer historischer Meilenstein: Unter Otto von Bismarck wurden in den 1880er-Jahren erstmals staatliche Pflichtversicherungen eingeführt (Kranken-, Unfall- und Altersversicherung). Nicht aus Idealismus, sondern aus Einsicht: Ohne soziale Absicherung lassen sich Gesellschaft, Wirtschaft – und letztlich auch Freiheit – nicht stabil organisieren.


Parallel dazu entstanden private Versicherungen als konkrete Antworten auf reale Risiken:

  • 1826: Die Mobiliar – gegründet als Brandversicherung zum Schutz von Sachwerten und Existenzen

  • 1857: Swiss Life – als frühe Lebens- und Vorsorgeversicherung zur Absicherung von Tod und Alter

  • 1863: Swiss Re – zur Rückversicherung wachsender Risiken

  • 1872: Zurich Insurance – für Industrie, Handel und internationale Risiken

  • in Europa: AXA (1817), Generali (1831), Allianz (1890)

  • sowie frühe Krankenkassen wie die Helsana (1900) zur Finanzierung von Heilungskosten


Vorsorge entstand nicht aus Theorie, sondern aus Notwendigkeit. Sie war die Antwort auf eine Gesellschaft, die Freiheit versprach – und Stabilität brauchte, um dieses Versprechen einzulösen.


Sozialstaat und Vorsorge als Grundlage moderner Medizin


Ab 1940 kam ein weiterer entscheidender Faktor hinzu: der medizinische Fortschritt. Antibiotika, Impfprogramme, moderne Chirurgie, Intensivmedizin, später hochentwickelte Diagnostik und spezialisierte Langzeittherapien veränderten das Leben grundlegend. Krankheiten, die früher tödlich waren, wurden behandelbar. Menschen lebten Jahrzehnte länger.


Diese Fortschritte sind teuer und hochkomplex. Sie waren nur möglich durch eine verlässliche Finanzierung, wie sie mit Sozialversicherungen und privaten Vorsorgeeinrichtungen entstand. Nur so konnten Forschung, medizinische Infrastruktur und flächendeckende Versorgung aufgebaut und über Jahrzehnte getragen werden.


Die hohe Lebenserwartung von heute – oft 80 Jahre und mehr – ist deshalb nicht nur medizinischer Fortschritt, sondern auch Ausdruck funktionierender Vorsorge- und Finanzierungssysteme.


Die Schweiz: Warum das System kompliziert wirkt


Die Schweiz fügt sich präzise in diese Entwicklung ein – und zeigt sie besonders klar. Gerade deshalb wirkt das System im Alltag oft kompliziert.


Der Grund liegt in einer historischen Unterscheidung, die bis heute prägt: Obwohl es fast immer um Heilungskosten und Einkommenssicherung geht, wird systematisch nach der Ursache unterschieden: Unfall oder Krankheit?


Unfall wurde früh als arbeitsbezogenes Risiko erkannt.

Arbeit → Unfall → Heilungskosten und Erwerbsausfall (1912 erstes Unfallversicherungsgesetz, 1984 heutiges UVG)


Krankheit hingegen galt lange als individuelles Lebensrisiko. Früh entstanden Krankenkassen, die Behandlungskosten deckten – nicht aber den Einkommensausfall (z. B. CSS ab 1899). Erst 1996 regelte das KVG flächendeckend die Heilungskosten. Die Einkommenssicherung blieb fragmentiert und erfordert bis heute ergänzende Lösungen.


Auch die Altersvorsorge entwickelte sich schrittweise:

  • 1948: AHV – Existenzsicherung

  • 1985: BVG – Fortsetzung des Lebensstandards

  • dritte Säule: individuelle Ergänzung


Es hilft, sich dieser Logik bewusst zu sein. Das System ist historisch bedingt etwas komplex, aber nicht widersprüchlich. Mit Unterstützung einer Fachperson ist es gut möglich, die individuell passende Lösung für sich und die eigenen Liebsten zu gestalten.


Fazit: Was nimmst du mit?


Vorsorge ist keine technische Lösung für Risiken. Sie ist eine Antwort auf grundlegende menschliche Bedürfnisse nach Freiheit und Sicherheit.


Sie macht es möglich, frei zu leben, Risiken einzugehen, Familien zu gründen und Zukunft zu planen – genau das, was 1789 als Ideal formuliert wurde. Sozialstaat und Vorsorge sind die Instrumente, mit denen dieses Versprechen im Alltag tragfähig wurde.


Was nimmst du daraus mit?

  1. Unser heutiger Sozialstaat mit den zugehörigen Vorsorgeeinrichtungen ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft – und für unseren Lebensstandard weit bedeutsamer, als sich 1789 irgendjemand hätte vorstellen können.

  2. Diese Erkenntnis darf erfreuen. Man muss nicht alles selbst verstehen. Mit Unterstützung einer Fachperson lässt sich klären, wie das eigene Leben abgesichert ist und wo gezielte Ergänzungen sinnvoll sind.

  3. Vorsorge ist kein Nebenschauplatz unseres Wohlstands. Sie ist eine seiner Grundlagen.


Freiheit braucht ein Fundament. Vorsorge ist ein Teil davon.



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